| Analyse-Kriterien |
Textpassagen |
Leitgedanken
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"Es bleibt viel zu tun und - wir sollten
uns nichts vormachen - es geht nicht nur um eine Erweiterung Europas,
wie wir sie in Westeuropa vollzogen haben, als die Gemeinschaft
von sechs auf neun und anschließend auf zehn, auf zwölf
und auf fünfzehn Mitgliedstaaten erweitert wurde. Unsere historische
Aufgabe ist die Wiedervereinigung Europas, mit seinen gemeinsamen
Werten, und mit seiner Vielfalt." (14.11.1999 )
"Der Titel Europäische Union ist durchaus angebracht,
denn es geht darum, die Völker unter dem Respekt der Nationalstaaten
zu vereinen, über die Früchte des freien Handels und der
Kooperation zu verfügen und die Bemühungen jedes Einzelnen
zu unterstützen, dank des Mehrwerts, den uns die Gemeinschaftspolitiken
bringen. Die erneuerten Institutionen der Römischen Verträge
wären in der Lage, diese große Einheit zu verwalten.
Dieses hoch gesteckte Ziel ist dennoch nicht geeignet, diejenigen
zufrieden zu stellen, die den Idealen und den politischen Gedanken
der europäischen Gründungsväter, Monnet, Schuman,
Adenauer, de Casperi und Spaak [...] anhängen. Der neue Vertrag
muss also einer Avantgarde ermöglichen, weiter und schneller
zu gehen. Eine Avantgarde, die ständig offen ist für diejenigen,
die eines Tages zu ihr aufschließen möchten." (14.11.1999)
"Nein, wir sind an einem Stadium der europäischen Entwicklung
angekommen, an dem man nicht umhin kann, die Probleme, die sich
aus der Politik ergeben, unmittelbar über die Politik anzugehen.
Deshalb stelle ich mit Nachdruck immer wieder die gleiche Frage:
Was möchten wir zusammen tun? Wie weit sind wir bereit zu gehen,
um zusammen das zu erreichen, was uns am Herzen liegt und was wir
nicht - oder nicht mehr - auf eigene Rechnung, jeder für sich,
tun können?" (14.11.1999)
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| Finalität des Integrationsprozesses |
"Ich bin, wie ich es auch eingangs gesagt
habe, davon überzeugt, dass es unsere historische Aufgabe ist,
die Europäer in einem gemeinsamen politischen Ganzen zu vereinen."
(14.11.1999)
"Der Titel Europäische Union ist durchaus angebracht,
denn es geht darum, die Völker unter dem Respekt der Nationalstaaten
zu vereinen, über die Früchte des freien Handels und der
Kooperation zu verfügen und die Bemühungen jedes Einzelnen
zu unterstützen, dank des Mehrwerts, den uns die Gemeinschaftspolitiken
bringen. Die erneuerten Institutionen der Römischen Verträge
wären in der Lage, diese große Einheit zu verwalten."
(14.11.1999)
"Sodann stellt sich die Frage, welcher Platz der intergouvernementalen
Zusammenarbeit eingeräumt wird. Es steht außer Zweifel,
dass das künftige Europa ein subtiler Kompromiss zwischen der
Gemeinschaftsmethode und der intergouvernementalen Zusammenarbeit
sein wird, mit der Subsidiarität als zusätzlicher Beitrag
des föderalen Ansatzes." (29.06. 2000)
"[...] ich glaube, dass die Historiker im Jahr 2025 sagen
werden, die Europäer aus 30 - 32 Ländern haben gemeinsam
ein geopolitisches Gebilde geschaffen, das durch den Kompromiss
aus freiem Verkehr und Marktwirtschaft auf der einen, gewissen Spielregeln
und der Existenz einer regulierenden Machtinstanz auf der anderen
in gewisser Weise das Vorbild abgegeben hat für den künftigen
Umgang mit der Globalisierung. Glauben Sie mir, das wäre bereits
ein enormer historischer Erfolg, denn im Grunde geht es doch genau
darum." (29.06. 2000)
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| Verfassung, Grundrechte |
"So hat plötzlich der Begriff 'Verfassung'
einen unglaublichen Modeeffekt bekommen. Diejenigen die vorher sagten:
'Nur keine Verfassung, wir sind doch souveräne Staaten. Wir
sind bereit, einen Teil unserer Souveränität abzugeben,
aber nur in Form eines internationalen Vertrages', sind dieselben,
die heute eine Verfassung vorschlagen. Kühn und listig zugleich
zerstören sie damit jedoch insgeheim das Gemeinschaftssystem,
das die Fortschritte der letzten 50 Jahre ermöglicht hat. Sie
erwähnen es gar nicht oder ersetzen es schlicht und einfach
durch ein anderes. Wie bereits gesagt, teile ich nicht den Enthusiasmus
derer, die von dieser 'Verfassungsmode' so angetan sind, denn man
muss schauen, was sich dahinter verbirgt." (29.06. 2000)
"Ich habe Ihnen bereits eingangs gesagt, dass ich hinter der
Idee von einer Verfassung eher eine Arglist vermute, aber vielleicht
wird eines Tages ein internationaler Vertrag als Verfassung bezeichnet
werden! Der Inhalt wäre der gleiche, nur mit einem anderen
Etikett... In diesem Vertrag müssten die jeweiligen ausschließlichen
Kompetenzen der Einzelstaaten und der Union beziehungsweise der
Föderation definiert sein." (29.06. 2000)
"Ich verkenne weder die tiefgreifende Wirkung der Diskussion
über die Charta noch die besonderen Rahmenbedingungen, unter
denen diese Charta vorbereitet wird. Doch bleibt - ohne mich jetzt
länger zu diesem Ihnen ja bekannten Thema äußern
zu wollen - auf jeden Fall die Frage zu entscheiden, ob diese Charta
deklaratorisch sein soll, als Ausdruck unseres Willens zum Zusammenleben,
oder ob sie verbindlichen Charakter bekommen soll. In diesem Falle
müsste die schwierige Frage der Konkurrenz zwischen zwei Rechtsordnungen
zum Schutz der Grundrechte geregelt werden, nämlich einerseits
derjenigen, die vom Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg
garantiert wird und andererseits derjenigen, die vom Europäischen
Gerichtshof in Luxemburg geschützt wird." (29.06.2000)
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| Integrationsmethode |
"Ich glaube auch nicht an die Vorzüge
der so genannten Verzahnungstheorie, die davon ausgeht, dass politische
Fortschritte wie durch Zauberhand aus der wirtschaftlichen Integration
hervorgehen. Ich habe deshalb auch nie geglaubt, dass die Wirtschafts-
und Währungsunion - für die ich mich so sehr engagiert
habe - als Startrampe für die politische Union dienen könne,
wie einige behauptet haben.Nein, wir sind an einem Stadium der europäischen
Entwicklung angekommen, an dem man nicht umhin kann, die Probleme,
die sich aus der Politik ergeben, unmittelbar über die Politik
anzugehen." (14.11.1999)
"[...] der föderale Ansatz ist der einzige, der es gestattet
zu definieren, wer was macht, also die Entscheidungs- und Handlungsträger
verantwortlich zu machen und die verschiedenen Entscheidungsebenen
klar voneinander zu unterscheiden. Somit ist der Föderalismus
auch eine philosophische Betrachtungsweise im Hinblick auf das Regieren
von Menschen und das Verwalten von Dingen. Wenn ausgehend davon
ein Einverständnis über diesen Begriff erreicht werden
könnte, wäre er nicht mehr dieses Schreckgespenst, das
er heute für viele noch darstellt." (29.06. 2000)
"Sodann stellt sich die Frage, welcher Platz der intergouvernementalen
Zusammenarbeit eingeräumt wird. Es steht außer Zweifel,
dass das künftige Europa ein subtiler Kompromiss zwischen der
Gemeinschaftsmethode und der intergouvernementalen Zusammenarbeit
sein wird, mit der Subsidiarität als zusätzlicher Beitrag
des föderalen Ansatzes." (29.06. 2000)
"Zweiter Aspekt: der künftige Platz der intergouvernementalen
Zusammenarbeit. [...] In den Sachgebieten des zweiten und dritten
Pfeilers ist keine sofortige Vergemeinschaftung möglich gewesen.
Dieser Kompromiss muss die Vorzüge der Union maximieren und
damit die Union als unumgänglichen Gesprächspartner auf
der internationalen Bühne stärken." (29.06. 2000)
"Also muss die Methode der intergouvernementalen Zusammenarbeit
her - sicher, aber man darf dabei nicht jedes Mal das europäische
Interesse vergessen, ganz unabhängig davon, ob der direkte
Weg der Gemeinschaftsmethode oder der der intergouvernementalen
Zusammenarbeit beschritten wird." (29.06. 2000)
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| EU-Organe allgemein |
"Was ist eigentlich die Gemeinschaftsmethode?
Es ist dies eine vom Gerichtshof gekrönte rechtsstaatliche
Ordnung, mit einer Kommission, die gelbe Karten verteilen kann...
Eine besondere, genau angepasste Synergie zwischen Kommission, Rat
und Parlament [...] Dieses System hat klar seine Überlegenheit
bewiesen, denn jedesmal wenn man dieses System befolgt hat, wurden
Fortschritte erzielt. Und jedesmal, wenn man sich nicht daran gehalten
hat, zu Beginn der 60er und zu Beginn der 80er Jahre, war eine Stagnation
zu beobachten, auch wenn dies nicht die einzige Ursache war. Natürlich
gibt es Funktionsmängel, und dann fließen wieder die
Krokodilstränen und die Taschentücher werden gezückt:
'Die Kommission vergräbt sich! Der Rat für allgemeine
Angelegenheiten kann gar nicht mehr funktionieren!', heißt
es dann. Und das ist durchaus verständlich: Die Außenminister
sind in der ganzen Welt unterwegs und wollen sich von ihren Reisen
erzählen; da haben sie keine Zeit mehr, sich um die gemeinschaftlichen
Angelegenheiten zu kümmern! Und das Europäische Parlament
übt sich derweil im Pfeileverschießen, wie auf dem Volksfest:
für wen ist wohl der nächste Pfeil bestimmt?" (29.06.
2000)
"Aber betrachten wir die Dinge doch einmal ehrlich: Die Union
hat immer dann gut funktioniert und wieder Dynamik erhalten, hat
Stabilität geboten und war auf der internationalen Bühne
ein Element, um das niemand herumkommt, wenn dieses institutionelle
Dreieckssystem gut funktioniert hat. Man kann es gewiss verbessern,
aber immerhin existiert es." (29.06. 2000)
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| Europäisches Parlament |
[Siehe EU-Organe
allgemein] |
| Europäische Kommission |
"Die Europäische
Kommission wird erst dann wieder ihre Rolle als Impulsgeberin spielen
können, wenn sie das gesamte Potential einer aktiven und gelebten
Kollegialität unter ihren Mitgliedern nutzt, und so den Regierungschefs
ihren Nutzen beweist, in dem sie ihnen hilft, dynamische Kompromisse
zu finden, die die europäische Integration voranbringen."
(14.11.1999) |
| Rat, Ministerrat |
"In Wahrheit muss die gesamte Arbeitsweise
des Ministerrats überdacht werden, wenn man will, dass die
Bürger die Entscheidungsprozesse mitverfolgen können,
die sich ansonsten im Labyrinth eines Verfahrens verlieren, das
Monate, wenn nicht gar Jahre dauern kann, wobei die Entwürfe
von Ausschuss zu Ausschuss gehen, bevor sie wieder den entsprechenden
Organen des Parlaments vorgelegt werden, oder wieder zum Rat gelangen."
(14.11.1999)
"Also muß sich der Ministerrat konsequenterweise reformieren,
und dies zu einem Zeitpunkt, an dem er ohnehin mit zahlreichen Aufgaben
überlastet ist, was zu Engpässen auf der Ebene des Europäischen
Rats führt, der seiner Führungsrolle nicht mehr gerecht
wird. Ich habe deshalb vorgeschlagen, dass sich die Europaminister
alle zwei Wochen in Brüssel treffen sollten, wobei sie das
volle Vertrauen ihrer jeweiligen Regierungen haben sollten. In Zusammenarbeit
mit der Europäischen Kommission könnten sie die Tagesordnung
klären, Prioritäten festlegen, Subsidiarität anwenden
und die Öffentlichkeit über die Zielsetzungen der Europäischen
Union unterrichten. Transparenz und Klarheit sind unerlässliche
Trümpfe, damit Demokratie und aktive Bürgerbeteiligung
zunehmen." (14.11.1999)
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| Europäischer Rat |
"Also
muß sich der Ministerrat konsequenterweise reformieren, und
dies zu einem Zeitpunkt, an dem er ohnehin mit zahlreichen Aufgaben
überlastet ist, was zu Engpässen auf der Ebene des Europäischen
Rats führt, der seiner Führungsrolle nicht mehr gerecht
wird." (14.11.1999) |
| Ausschuß der Regionen |
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| Reform der Institutionen und
Entscheidungsprozesse (Post-Nizza-Prozeß) |
"[...] bevor die Institutionen festgelegt
werden, die uns die Zusammenarbeit ermöglichen werden, muss
erst mit ausreichender Genauigkeit ein gemeinsames Projekt definiert
werden, das diese Institutionen durchführen sollen." (14.11.1999)
"Ich möchte abschließen mit der Aussage, dass nach
meinem Dafürhalten über ein System Rat/Kommission nachgedacht
werden sollte, das dieses Zweigespann wieder leistungsfähig
macht und weder das eine noch das andere abschafft. Für die
Union ist dies noch wichtiger als für die Föderation.
Wenn in einer Union mit 32 oder 33 Mitgliedstaaten keine Kommission
da ist, die immer an Europa denkt, die versucht, stets das Wesentliche
im Auge zu haben und die verschiedenen Optionen vorzulegen, wird
es zu extrem komplexen Situationen beziehungsweise sogar zur Apoplexie
kommen. Natürlich brauchen wir entsprechend angepasste Arbeitsmethoden:
der Ministerrat muss reformiert, der Europäische Rat entlastet
werden." (29.06. 2000)
"Das System Kommission - Parlament lässt sich restaurieren:
es würde genügen, dass der Rat für Allgemeine Angelegenheiten
wieder ein echter Rat wird, dass er in Verbindung mit der Kommission
die Agenda klärt und die Kommission ihn seine Rolle spielen
lässt. Vorausgesetzt, man konzentriert sich wirklich auf das
Wesentliche und hört auf, in dem Tempo Texte zu produzieren,
wie sich die Kaninchen in einem Zuchtbetrieb fortpflanzen. Damit
muss Schluss sein. Es gibt zu viele Texte." (29.06. 2000)
"Man sollte sich schließlich auch bemühen, die
Bereiche von gemeinsam augeübten Kompetenzen zu reduzieren.
[...] Wenn eine konkurrierende Kompetenz auf europäischer Ebene
landet und dies einem Land gerade gut passt, lässt es dies
geschehen. Wenn es ihm nicht passt, beruft es sich auf die Subsidiarität.
Es geht darum, den Bereich möglicher Konflikte zu reduzieren
und die europäische Konstruktion übersichtlicher zu machen."
(29.06. 2000)
[siehe auch Ministerrat, Rat]
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| Flexibilisierung des Integrationsprozesses |
"Schließlich sind die politischen
und institutionellen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass
eine Avantgarde auf dem Weg einer politischen Integration voranschreiten
kann." (14.11.1999)
"Was ist Sinn und Zweck der Avantgarde? Erweiterung und Vertiefung
miteinander vereinbar zu machen. Allerdings ist dies eine offene
Avantgarde, eine Avantgarde ohne Mauer. Es wird keine Mauer aufgerichtet.
Diejenigen, die dies behaupten, sind genau die, die eine Erweiterung
ohne Bedingungen mit einer Entwicklung in Richtung Freihandelszone
wollen. Das sind Hintergedanken. Es handelt sich nicht um eine 'zweite
Liga', und es wird auch kein Bruch gewünscht, sondern ein durch
den Vertrag organisiertes geregeltes System. Mein Wunsch ist natürlich,
dass sich eines Tages alle in dem 'Paket' gemeinsamer Zielsetzungen,
in der Dynamik der Avantgarde wiederfinden. Ich zumindest würde
als Matrix für diese Avantgarde eine 'Föderation von Nationalstaaten'vorschlagen.
Eine schlagkräftige Formel, von der manche vielleicht meinen
werden, dass sie genauso Illusionen schafft wie der Verfassungsgedanke.
Diese Föderation von Nationalstaaten' bedeutet jedoch zwei
Dinge, die ich bereits im Zusammenhang mit den Vorbedingungen angesprochen
habe: eine Föderation, damit klar ist, wer was tut, denn das
ist die Voraussetzung für Transparenz, Demokratie wie auch
Effizienz; und Nationalstaaten deshalb, weil diese gewiss nicht
verschwinden werden." (29.06.2000)
Es gibt zwei mögliche Wege für diese Avantgarde [...]
Der erste ist das Reproduzieren oder Klonen des derzeitigen Modells
allein für die Länder der Avantgarde, mit einem Ministerrat,
einer Kommission und einem Parlament. Mit anderen Worten: eine Art
Vertrag im Vertrag - selbstverändlich genehmigt durch die Union.
Wenn ich sage 'im Vertrag', dann bedeutet dies, dass kein Bruch
erfolgt. Der Vertrag der Fünfzehn würde die Möglichkeit
der Avantgarde oder auch ein gemischtes System vorsehen. Angesichts
des schlechten Funktionierens (und das ist gelinde gesagt) des Ministerrats
und des Rates für Allgemeine Angelegenheiten wäre es sicherlich
lohnenswert, dieses auszuprobieren. Ein und dieselbe Kommission
wäre mit der Wahrung der europäischen Interessen sowohl
für die Union als auch für die Föderation betraut.
Daneben gäbe es einen gesonderten Ministerrat, einen gesonderten
Vorsitz und ein Europäisches Parlament, bei dem man zwischen
zwei Formeln schwanken kann. Ich weiß, dass einige von Ihnen
sagen, dass kein Zurück möglich ist. Demzufolge könnte
es sich um die den Ländern der Avantgarde angehörenden
Abgeordneten des heutigen Europäischen Parlaments handeln.
Ich persönlich würde es allerdings vorziehen, wenn es
zur Hälfte nationale Parlamentarier und zur anderen Hälfte
Abgeordnete des Europäischen Parlaments wären, um wieder
eine Verbindung zu den nationalen Parlamenten herzustellen."
(29.06.2000)
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| EU-Nationen-Regionen |
"Die kulturelle
Dimension Europas ansprechen, das heißt die Frage der europäischen
Identität oder, richtiger, der europäischen Identitäten
zu stellen, ohne Angst zu haben, das Kaleidoskop zu drehen, das starke
und oft widersprüchliche Bilder zeigt. Kann man Europa wiedervereinigen,
ohne die Frage dieser Identität zu stellen und ohne den Versuch
zu machen, jenes Bewusstsein zu entwickeln, das die Europäer
von sich selbst haben sollten? Ehrlich gesagt, ich glaube es nicht,
selbst wenn sich dieses Unterfangen als riskant und schwierig erweist."
(14.11.1999) |
| Subsidiarität |
"Die Subsidiarität
ist nichts Kompliziertes, sie ist auch ein philosophischer Gedanke:
Probleme sollen möglichst nah bei den von der Lösung dieser
Probleme Betroffenen angepackt werden, und umgekehrt soll weiter oben
in der Machthierarchie angesetzt werden, wenn dort die Probleme besser
gelöst werden können. Die Subsidiarität ist daher ein
wesentlicher Grundsatz zur Klärung der Verhältnisse."
(29.06. 2000) |
| EU-Erweiterung |
"Die erste Frage, die ich persönlich
immer gestellt habe, lautet: Wie sehen die realistischen Ziele für
ein Europa mit 30 Mitgliedstaaten aus? Es ist durchaus kein Pessimismus
zu sagen: Wie soll ein Europa mit 30 Mitgliedstaaten alle Ziele
der Verträge von Maastricht und Amsterdam verwirklichen können,
wo doch die 15 noch nicht einmal so weit sind? Deshalb glaube ich,
dass die 30 sich wohlbedacht oder implizite mit weniger hohen Ambitionen
begnügen werden, zumindest für die kommenden 20 oder 30
Jahre. Wenn man diese Frage bewusst stellt, dann um ein Abdriften
hin zu einer Art Freihandelszone zu vermeiden und keine Kompromisse
mehr zu schließen zwischen dem Europa als Raum und dem Europa
als Macht. Es ist normal, diese Frage zu stellen. Manche Bewerberländer
nehmen zwar Anstoß daran und sagen: 'Wir sind absolut fähig,
alle Ziele aus Ihrem Vertrag anzustreben!'Und sie sind aufrichtig
dieser Meinung. Aber schauen Sie sich doch all diese Länder
im Osten wie im Westen an: ich glaube, dies ist auf kurze Sicht
nicht realistisch." (29.06. 2000)
"Könnte man nicht die Europäische Konferenz zu einer
ständigen Einrichtung machen, um diesen Ländern das Gefühl
zu vermitteln, dass sie bereits der europäischen Familie angehören?
Bei jedem Europäischen Rat sind auch die Regierungschefs der
Bewerberländer eingeladen: ein oder zwei Stunden Diskussion,
ein gemeinsames Mittagessen - das ist alles. Könnte man es
nicht so einrichten, dass sich die 27 oder 28 regelmäßig
auf Außenministerebene begegnen und über bestimmte Fragen
sprechen? Eine der wichtigsten für diese Länder ist die
Sicherheit sowohl im Innern als auch nach außen. Ferner sollte
man sich auch angewöhnen, ihnen in Bezug auf den gemeinschaftlichen
'Acquis' nicht einfach nur zu sagen, was sie zu tun haben, sondern
ihnen auch zuzuhören [...] unsere Regierenden haben bisher
immer so argumentiert, als würde diese Erweiterung 'vereinheitlichend'
wirken. Diese Länder würden sich allmählich auf den
gesamten gemeinschaftlichen 'Acquis' einstellen. Spanien und Portugal
haben dies sehr gut geschafft, aber für die jüngsten drei
Neuankömmlinge trifft dies schon weniger zu, und den jetzigen
Beitrittskandidaten dürfte es noch mehr Schwierigkeiten bereiten.
Nein - diese Erweiterung wird nicht 'vereinheitlichend' wirken.
Die betroffenen Länder haben gar nicht die entsprechenden Möglichkeiten."
(29.06.2000)
"Es ist dabei wichtig, sich der Änderung des Maßstabs
bewußt werden, denn man muss sich heute ein Europa mit ungefähr
30 Mitgliedstaaten vorstellen, dessen Grenzen im Osten sicherlich
lange ungewiss bleiben werden." (14.11.1999)
"Es sind alte Nationen, aber junge Staaten, die unter dem
Zeichen der Diskontinuität stehen, die von der Union aufgenommen
werden müssen [...] Ihr Streben nach Veränderung ist stark,
aber ihre Fähigkeit, diese durchzuführen, ist nicht unbegrenzt."
(14.11.1999)
"Wir müssen unsererseits erkennen, dass wir keineswegs
versucht haben, unsere Fähigkeit, andere Mentalitäten
zu verstehen, fortzuentwickeln - geschweige denn, andere Mentalitäten
zu berücksichtigen. Wenn es nach wie vor Missverständnisse
zwischen Beitrittsländern und Mitgliedstaaten gibt, brauchen
wir uns darüber nicht zu wundern. [...] Sie [die Beitrittsländer]
möchten nicht länger nur Empfänger von Ratschlägen
und westlichen Rezepten sein, und bekräftigen, dass auch sie
ihren Stein zur Errichtung des gemeinsamen Hauses einbringen können.
Ihr Ersuchen ist legitim." (14.11.1999)
"Angesichts dieser geopolitischen Dimension stellt sich unweigerlich
die Frage der Ostgrenzen Europas und der institutionellen Beziehungen
zwischen den Ländern, die sich diese Grenzen teilen werden.
[...] Eine große Nation wie Russland, deren bedeutungsvolle
strategische Position noch gestern im Kosovo deutlich wurde, muss
sich auf der großen europäischen Halbinsel zu Hause fühlen.
Aber um zu diesem Ergebnis zu kommen, braucht Russland nicht integraler
Bestandteil der Europäischen Union zu werden. Wir sollten dagegen
bedeutendere Kooperationsverträge mit Russland abschließen,
als wir heute haben." (14.11.1999)
"Darüber hinaus dürfen wir nicht die anderen Nachbarn
des großen Europas vergessen, die auch bestrebt sind, sich
den Tugenden des politischen Friedens und der wirtschaftlichen Modernisierung
zu verschreiben. Hier ist an erster Stelle die Ukraine zu nennen,
der wir über die Kultur und die Geschichte so nahe sind. Schenken
wir ihr die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Und die Türkei,
werden Sie mir sagen ...? [...] ich sehe nicht, wie wir ihr unsere
Grenzen nicht öffnen können, selbst wenn ihr Platz innerhalb
der Europäischen Union natürlich auch von den allgemeinen
Voraussetzungen abhängt, die von allen Beitrittsländern
gleichermaßen verlangt werden, insbesondere eine pluralistische
Demokratie und die uneingeschränkte Achtung der Menschenrechte."
(14.11.1999)
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| EU-Agrarpolitik und Reform |
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| EU-Strukturpolitik und Reform |
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| Gemeinsame Außenpolitik
der EU |
"Lassen Sie mich die GASP als Beispiel
anführen. Immer wenn die 15 zu entscheiden haben, ziehen einige
mit. Sie sind zwar nicht einverstanden, aber sie ziehen mit, andere
sind neutral. Bei Beschlüssen der 15 über eine gemeinsame
außenpolitische Maßnahme hat derjenige, der zu handeln
hat, nicht sämtliche Elemente in der Hand, da ein Teil davon
in den Zuständigkeitsbereich der Kommission fällt. Doch
es ist bis heute nicht gelungen, dafür zu sorgen, dass der
Rat für Auswärtige Angelegenheiten, Mister GASP und die
Kommission zusammenarbeiten! Dafür ist keine Vertragsänderung
notwendig. Ein wenig guter Wille und Sinn für die gemeinsam
zu erfüllenden Aufgaben würde genügen. Aber es klappt
einfach nicht. (29.06.2000)"
[Siehe auch Politikfelder allgemein]
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| Sicherheits- und Verteidigungspolitik
der EU |
[Siehe auch
Politikfelder allgemein] |
| Einwanderung,
Visa, Asyl, Flüchtlinge |
|
| Politikfelder allgemein und
sonstige EU-Politiken |
"Es geht darum, den bereits beschrittenen
Weg der Wirtschafts- und Währungsunion, der sozialen und ökologischen
Entwicklung, der Schaffung von europäischen Streitkräften
zur Umsetzung der 'Petersberger Aufgaben', der Durchführung
gemeinsamer Aktionen im Bereich der Außenpolitik, der Schaffung
eines Raumes der inneren Sicherheit... fortzusetzen." [mithilfe
der Avantgarde] (14.11.1999)
"[...] angesichts der bestehenden Globalisierungsgefahr müssen
die Bereiche, die den sozialen Zusammenhalt und das Zugehörigkeitsgefühl
fördern, nämlich Bildung, Kultur, Gesundheit, soziale
Sicherheit und in jedem Fall auch Beschäftigungspolitik, unbedingt
auf nationaler Ebene verbleiben." (29.06.2000)
|
| Globalisierung, weltweite
Herausforderungen |
"Während wir hier in allzu klassischer
Manier über unsere Probleme reden, ist die Globalisierung in
vollem Gange. Schon denken ein paar gewitzte Köpfe darüber
nach, wie man sie regieren kann. Ich denke also, dass wir dazu durchaus
imstande sind und dies bereits eine beträchtliche Leistung
wäre." (29.06.2000)
|
© Kathrin
Joester, letzte Überarbeitung: April 2002. Die Verwendung
von Inhalten ist für Ausbildungszwecke und nicht-kommerzielle Zwecke
gestattet, vorausgesetzt, die Quelle wird angegeben.
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