| Analyse-Kriterien | Textpassagen |
Leitgedanken | Quo
vadis Europa ?
Vorwärts bis zur Vollendung der europäischen
Integration. ...müssen wir den letzten Baustein in das Gebäude
der europäischen Integration einfügen, nämlich die politische
Integration. ... meine persönliche Zukunftsvision: Von der verstärkten
Zusammenarbeit hin zu einem europäischen Verfassungsvertrag und die
Vollendung von Robert Schumans großer Idee einer Europäischen
Föderation. ... Defizite im Bereich der politischen Integration
produktiv aufheben und so den Prozess der Integration vollenden. |
| Finalität des Integrationsprozesses |
... hin zu einem europäischen Verfassungsvertrag
und die Vollendung von Robert Schumans großer Idee einer Europäischen
Föderation. Der letzte Schritt wäre dann die Vollendung der
Integration in einer Europäischen Föderation. |
| Verfassung, Grundrechte | Die
Souveränitätsteilung von Föderation und Nationalstaaten setzt
einen Verfassungsvertrag voraus, der festlegt, was europäisch und was
weiterhin national geregelt werden soll. ... Erfordernis einer grundlegenden
Neuordnung der Kompetenzen sowohl horizontal, d.h. zwischen den europäischen
Institutionen, als auch vertikal, also zwischen Europa, Nationalstaat und
Regionen, wird nur durch eine konstitutionelle Neugründung Europas
gelingen können, also durch die Realisierung des Projekts einer europäischen
Verfassung, deren Kern die Verankerung der Grund-, Menschen- und Bürgerrechte,
einer gleichgewichtigen Gewaltenteilung zwischen den europäischen Institutionen
und einer präzisen Abgrenzung zwischen der europäischen und der
nationalstaatlichen Ebene sein muss. Die Hauptachse einer solchen europäischen
Verfassung wird dabei das Verhältnis zwischen Föderation und Nationalstaat
bilden. | | Integrationsmethode | Bis
in der Vergangenheit dominierte im wesentlichen die "Methode Monnet"
mit ihrem Vergemeinschaftungsansatz in europäischen Institutionen und
Politiken den europäischen Einigungsprozess. (...) So erfolgreich dieser
Ansatz dort war, für die politische Integration und die Demokratisierung
Europas hat er sich als nur bedingt geeignet erwiesen. (...)Schon heute
ist eine wohl innerhalb ihrer eigenen Logik nicht mehr zu lösende Krise
der Methode Monnet nicht mehr zu übersehen Der Schritt von der
verstärkten Zusammenarbeit hin zu einem Verfassungsvertrag - und genau
dies wird die Voraussetzung der vollen Integration sein - bedarf dagegen
eines bewussten politischen Neugründungsaktes Europas. Von der
verstärkten Zusammenarbeit hin zu einem europäischen Verfassungsvertrag
und die Vollendung von Robert Schumans großer Idee einer Europäischen
Föderation. Die verstärkte Zusammenarbeit wird zunächst
vor allem nichts anderes als eine verstärkte Intergouvermentalisierung
angesichts des Drucks der Fakten und der Schwäche der Methode Monnet
bedeuten. | | EU-Organe
allgemein | |
| Europäisches Parlament | Ein
europäisches Parlament muss deswegen immer ein Doppeltes repräsentieren:
ein Europa der Nationalstaaten und ein Europa der Bürger. (...) Dies
lässt sich meines Erachtens erreichen, wenn dieses europäische
Parlament über zwei Kammern verfügt, wobei eine Kammer durch gewählte
Abgeordnete besetzt wird, die zugleich Mitglieder der Nationalparlamente
sind. So wird es keinen Gegensatz zwischen nationalen Parlamenten und europäischem
Parlament, zwischen Nationalstaat und Europa geben. Bei der zweiten Kammer
wird man sich zwischen einem Senatsmodell mit direktgewählten Senatoren
der Mitgliedsstaaten oder einer Staatenkammer analog unseres Bundesrates
zu entscheiden haben. In den USA wählen alle Staaten zwei Senatoren,
in unserem Bundesrat hingegen gibt es eine unterschiedliche Stimmenzahl.
Und d.h. nichts geringeres als ein europäisches Parlament und eine
ebensolche Regierung, die tatsächlich die gesetzgebende und die exekutive
Gewalt innerhalb der Föderation ausüben. | | Europäische
Kommission | Ebenso
stellen sich für die europäische Exekutive, die europäische
Regierung, zwei Optionen. Entweder entscheidet man sich für die Fortentwicklung
des Europäischen Rats zu einer europäischen Regierung, d.h. die
europäische Regierung wird aus den nationalen Regierungen heraus gebildet,
oder man geht, ausgehend von der heutigen Kommissionsstruktur, zur Direktwahl
eines Präsidenten mit weitgehenden exekutiven Befugnissen über.
Man kann sich hier aber auch verschiedene Zwischenformen dazu denken. |
| Rat, Ministerrat | |
| Europäischer Rat | Ebenso
stellen sich für die europäische Exekutive, die europäische
Regierung, zwei Optionen. Entweder entscheidet man sich für die Fortentwicklung
des Europäischen Rats zu einer europäischen Regierung, d.h. die
europäische Regierung wird aus den nationalen Regierungen heraus gebildet,
oder man geht, ausgehend von der heutigen Kommissionsstruktur, zur Direktwahl
eines Präsidenten mit weitgehenden exekutiven Befugnissen über.
Man kann sich hier aber auch verschiedene Zwischenformen dazu denken. |
| Ausschuß der Regionen |
| | Reform der Institutionen
und Entscheidungsprozesse (Post-Nizza-Prozeß) | ...
eine entschlossene und angemessene Reform der Institutionen, damit die Handlungsfähigkeit
auch unter den Bedingungen der Erweiterung erhalten bleibt. So wichtig
der erste Reformschritt mit seiner verstärkten Mehrheitsentscheidung
bei der vor uns liegenden Regierungskonferenz auch für den Beginn der
Erweiterung ist, so wird er langfristig für die Erweiterung insgesamt
allein nicht ausreichen. | | Flexibilisierung
des Integrationsprozesses | Zunächst
dem Ausbau verstärkter Zusammenarbeit zwischen denjenigen Staaten,
die enger als andere kooperieren wollen, wie dies bereits auch in der Wirtschafts-
und Währungsunion und bei Schengen der Fall ist. Auf vielen Gebieten
können wir hiermit vorankommen: bei der Weiterentwicklung der Euro-11
zu einer wirtschaftspolitischen Union, beim Umweltschutz, der Verbrechensbekämpfung,
der Entwicklung einer gemeinsamen Einwanderungs- und Asylpolitik und natürlich
auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. Sehr wichtig dabei ist,
dass verstärkte Zusammenarbeit nicht als eine Abkehr von der Integration
verstanden werden darf. Ein möglicher Zwischenschritt hin zur Vollendung
der politischen Union könnte dann später die Bildung eines Gravitationszentrums
sein. Eine solche Staatengruppe würde einen neuen europäischen
Grundvertrag schließen, den Nukleus einer Verfassung der Föderation.
Und auf der Basis dieses Grundvertrages würde sie sich eigene Institutionen
geben, eine Regierung, die innerhalb der EU in möglichst vielen Fragen
für die Mitglieder der Gruppe mit einer Stimme sprechen sollte, ein
starkes Parlament, einen direkt gewählten Präsidenten. Ein solches
Gravitationszentrum müsste die Avantgarde, die Lokomotive für
die Vollendung der politischen Integration sein und bereits alle Elemente
der späteren Föderation umfassen. Mir sind nun die institutionellen
Probleme im Hinblick auf die jetzige EU durchaus bewusst, die ein solches
Gravitationszentrum mit sich bringen würde. Deshalb würde es entscheidend
darauf ankommen, sicherzustellen, dass das in der EU Erreichte nicht gefährdet,
diese nicht gespalten und das die EU zusammenhaltende Band weder politisch
noch rechtlich beschädigt werden darf. Es müssten Mechanismen
entwickelt werden, die eine Mitarbeit des Gravitationszentrums in der größeren
EU ohne Reibungsverluste erlauben. Die Frage, welche Staaten sich an einem
solchen Projekt beteiligen, die EU-Gründungs-, die Euro11-Mitglieder
oder noch eine andere Gruppe, lässt sich heute unmöglich beantworten.
Bei jeder Überlegung über die Option Gravitationszentrum muss
eines klar sein: diese Avantgarde darf niemals exklusiv, sondern muss für
alle Mitgliedstaaten und Beitrittskandidaten der EU offen sein, wenn diese
zu einem bestimmten Zeitpunkt teilnehmen wollen. Für alle diejenigen,
die teilnehmen wollen, aber dazu die Bedingungen nicht haben, muss es Heranführungsmöglichkeiten
geben. Transparenz und eine Mitwirkungsoption für alle EU-Mitglieder
und -kandidaten wären wesentliche Faktoren für die Akzeptanz und
Realisierbarkeit des Projekts. Und dies muss gerade auch gegenüber
den Beitrittsländern gelten. Denn es wäre historisch absurd und
zutiefst töricht, wenn Europa just zu dem Zeitpunkt, wo es endlich
wieder vereint wird, erneut gespalten würde. Ein solcher Gravitationskern
muss also ein aktives Erweiterungsinteresse haben und er muss Attraktivität
für die anderen Mitglieder ausstrahlen. (...) Der letzte Schritt wäre
dann die Vollendung der Integration in einer Europäischen Föderation. |
| EU-Nationen-Regionen | Die
klare Zuständigkeitsregelung zwischen Föderation und Nationalstaaten
in einem europäischen Verfassungsvertrag sollte die Kernsouveränitäten
und nur das unbedingt notwendig europäisch zu Regelnde der Föderation
übertragen, der Rest aber bliebe nationalstaatliche Regelungskompetenz.
Dies alles wird aber nicht die Abschaffung des Nationalstaates bedeuten.
Denn auch für das finale Föderationssubjekt wird der Nationalstaat
mit seinen kulturellen und demokratischen Traditionen unersetzlich sein,
um eine von den Menschen in vollem Umfang akzeptierte Bürger- und Staatenunion
zu legitimieren.· Die Nationalstaaten werden fortexistieren und auf
europäischer Ebene eine wesentlich stärkere Rolle behalten als
dies die Bundesländer in Deutschland tun.· Auch in der europäischen
Finalität werden wir also noch Briten und Deutsche, Franzosen und Polen
sein. | | Subsidiarität | Und
das Prinzip der Subsidiarität wird in einer solchen Föderation
künftig Verfassungsrang haben. Die Vollendung der europäischen
Integration lässt sich erfolgreich nur denken, wenn dies auf der Grundlage
einer Souveränitätsteilung von Europa und Nationalstaat geschieht.
Genau dieses Faktum aber steckt hinter dem Begriff der Subsidiarität',
der gegenwärtig allenthalben diskutiert und von kaum jemandem verstanden
wird | | EU-Erweiterung | Es
ist absehbar, dass die Europäische Union am Ende des Erweiterungsprozesses
27, 30 oder noch mehr Mitglieder zählen wird, ... ... die Erweiterung
... ist ein gesamteuropäisches Wachstumsprogramm. ... diese Avantgarde
darf niemals exklusiv, sondern muss für alle Mitgliedstaaten und Beitrittskandidaten
der EU offen sein, wenn diese zu einem bestimmten Zeitpunkt teilnehmen wollen.
(...) Transparenz und eine Mitwirkungsoption für alle EU-Mitglieder
und -kandidaten wären wesentliche Faktoren für die Akzeptanz und
Realisierbarkeit des Projekts. Und dies muss gerade auch gegenüber
den Beitrittsländern gelten. | | EU-Agrarpolitik
und Reform |
| | EU-Strukturpolitik
und Reform |
| | Gemeinsame
Außenpolitik der EU | Denn
wie sollte man auf Dauer begründen, dass Staaten, die sich durch die
Währungsunion unauflösbar und in ihrer ökonomisch-politischen
Existenz miteinander verbinden, sich nicht auch gemeinsam äußeren
Bedrohungen stellen und ihre Sicherheit gemeinsam gewährleisten ?
Auf vielen Gebieten können wir hiermit vorankommen: bei der Weiterentwicklung
der Euro-11 zu einer wirtschaftspolitischen Union, beim Umweltschutz, der
Verbrechensbekämpfung, der Entwicklung einer gemeinsamen Einwanderungs-
und Asylpolitik und natürlich auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. |
| Sicherheits- und Verteidigungspolitik
der EU |
| | Einwanderung,
Visa, Asyl, Flüchtlinge | Auf
vielen Gebieten können wir hiermit vorankommen: bei der Weiterentwicklung
der Euro-11 zu einer wirtschaftspolitischen Union, beim Umweltschutz, der
Verbrechensbekämpfung, der Entwicklung einer gemeinsamen Einwanderungs-
und Asylpolitik und natürlich auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. |
| Politikfelder allgemein und
sonstige EU-Politiken | Auf
vielen Gebieten können wir hiermit vorankommen: bei der Weiterentwicklung
der Euro-11 zu einer wirtschaftspolitischen Union, beim Umweltschutz, der
Verbrechensbekämpfung, der Entwicklung einer gemeinsamen Einwanderungs-
und Asylpolitik und natürlich auch in der Außen- und Sicherheitspolitik. |
| Globalisierung, weltweite
Herausforderungen | |
© Simon
Wiegand, letzte Überarbeitung: März 2002. Die Verwendung von
Inhalten ist für Ausbildungszwecke und nicht-kommerzielle Zwecke gestattet,
vorausgesetzt, die Quelle wird angegeben. |