Analyse-Kriterien

von Barbara Rummel

 
Analyse-Kriterien Textpassagen
Leitgedanken
[...] Zur weiteren Integration und Europäisierung gibt es keine Alternative. [...]
[...] Heute sieht sich die SPD vor die Aufgabe gestellt, durch die Aufnahme der mittel- und osteuropäischen Staaten in die Europäische Union sein [Willy Brandt's] historisches Werk zu vollenden. [...]
[...]Die SPD will die Gesellschaft der europäischen Bürgerinnen und Bürger. [...]
[...] Die europäische Antwort [auf die Globalisierung und den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft] ist ein umfassendes Reformprogramm, mit dem sich Europa in den nächsten zehn Jahren zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt entwickeln will, zu einem Wirtschaftsraum mit zukunftssicheren Arbeitsplätzen und sozialem Zusammenhalt. [...]
Finalität des Integrationsprozesses

[...] Wir werden in zehn Jahren in einem Europa leben, dass grösser sein wird, als heute und dass enger verlocht sein wird als heute. Wir werden in zehn Jahren in einem Europa mit einer Verfassung leben. Wir werden in zehn Jahren in einem Europa mit einer Währung leben. [...]
[...] Zur Lösung der entscheidenden Zukunftsfragen brauchen wir Fortschritte beim Aufbau einer europäischen Öffentlichkeit. [...]

Verfassung, Grundrechte [Die SPD tritt dafür ein:] [...]dass die Ausarbeitung der Grundrechtecharta der Beginn der Diskussion um eine europäische Verfassung ist. Die Grundrechtecharta sollte dann an die Spitze der künftigen Verfassung gestellt werden, damit der Wertebezug der Europäischen Union deutlich wird[...]
[...]Wir treten für die Erarbeitung einer europäischen Verfassung ein.[...]Deshalb unterstützt die SPD, dass zur Ausarbeitung der Europäischen Verfassung ein Konvent eingesetzt wird, in dem vor allem die Völker und Staaten Europas vertreten sind[...]
[...]dass die Grundrechtecharta in die Europäischen Verträge aufgenommen und damit rechtsverbindlich wird. Bei der feierlichen Proklamation darf es nicht bleiben[...] [...]nach Integration der Charta in die Verträge den Bürgerinnen und Bürgern in der EU die Möglichkeit einer Beschwerde oder einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zu eröffnen, wenn sie ihre Rechte durch EU-Organe gefährdet sehen[...]
Integrationsmethode Dynamisches Mehrebenensystem
EU-Organe allgemein  
Europäisches Parlament [Die SPD tritt ein für:] [...]weitere Stärkung der Rechte des Europaparlaments mittels Ausweitung der Mitentscheidung und volle Budgethoheit[...]
[...] Die Wahl des Präsidenten der EU-Kommission durch das von den Bürgerinnen und Bürgern gewählte Europäische Parlament[...]
Europäische Kommission [...] Ausbau der Kommission zu einer starken europäischen Exekutive[...]
[...] Die Wahl des Präsidenten der EU-Kommission durch das von den Bürgerinnen und Bürgern gewählte Europäische Parlament[...]
Rat, Ministerrat [...]Ausbau des Rates zu einer europäischen Staatenkammer[...]
[...]verstärkter Übergang zu Mehrheitsabstimmungen im Rat[...]
Europäischer Rat  
Ausschuß der Regionen [...]dass der Ausschuss der Regionen als Vertreter der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften gestärkt wird[...]
Reform der Institutionen und Entscheidungsprozesse (Post-Nizza-Prozeß) [...] (der eine Verfassung ausarbeitende) Konvent muss auch Vorschläge zum verstärkten Übergang zu Mehrheitsabstimmungen im Rat erarbeiten. Dies kann die Handlungsfähigkeit einer erweiterten Union nachhaltig verbessern. [...]
Flexibilisierung des Integrationsprozesses  
EU-Nationen-Regionen

Die SPD fordert [...] die Aufrechterhaltung des öffentlichen Bankensektors. Seine Leistungen in der Versorgung der Breite der Bevölkerung sowie bei der Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen sind unverzichtbar. Soziale und kulturelle Dienstleistungsangebote, die nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet sind, dürfen nicht Gegenstand der Wettbewerbsregulierung werden. [...]

Subsidiarität

[...]auf einer weiteren Reformkonferenz der EU im Jahre 2004 eine genauere, dem Subsidiaritätsprinzip entsprechende Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen der EU und den Mitgliedsstaaten vorzunehmen [...]
[...]Die SPD fordert [...]Das Recht, der EU neue Kompetenzen zu übertragen, muss bei den Mitgliedsstaaten verbleiben. Die Aufgabenverteilung zwischen Bund, Ländern und Kommunen ist und bleibt eine Frage der innerstaatlichen Politik [...].dass Vorkehrungen gegen einen schleichenden Kompetenztransfer auf die europäische Ebene getroffen werden. [...]dass Aufgaben, die durch die Mitgliedsstaaten entsprechend des Subsidiaritätsprinzips sachgerechter wahrgenommen werden können, auf die nationale Ebene zurückverlagert werden, wenn dies den Binnenmarkt nicht gefährdet. Die gilt besonders für die Kompetenzen der EU in den Bereichen Agrar- und Strukturpolitik, um den Spielraum für eine eigenständige Regional- und Strukturpolitik der Mitgliedsstaaten auszuweiten [...]
[...]die Aufgaben zwischen der Europäischen Union, den Mitgliedsstaaten, den Ländern und Kommunen klarer verteilen [...]

EU-Erweiterung [...]Die Konflikte und Kriege auf dem Balkan beweisen die fundamentale Bedeutung des europäischen Integrationsprozesses für Frieden, Sicherheit und Stabilität in ganz Europa. Auch für den Kampf gegen international organisierte Kriminalität und den Schutz vor illegaler Zuwanderung wird die EU-Erweiterung deutliche Vorteile bringen [...]
[...]Mit der Erweiterung wird die EU zum weltweit grössten Binnenmarkt. Ihre globale Wettbewerbsfähigkeit wird weiter gestärkt [...]
Die SPD tritt daher insbesondere dafür ein:
[...]die Erweiterungsverhandlungen zügig und sorgfältig voranzutreiben, so dass die am weitesten fortgeschrittenen Länder bereits an den nächsten Wahlen zum Europäischen Parlament im Jahre 2004 teilnehmen können; 7-jährige Übergangsfristen in den besonders sensiblen Bereichen wie der Arbeitnehmerfreizügigkeit oder Dienstleistungsfreiheit zu vereinbaren; [...] ein Lohn- und Sozialdumping zu verhindern [...] dass die EU auch weiterhin eine führende Rolle bei der politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung der Staaten Südosteuropas übernimmt;[...]das Verhältnis zu den anderen europäischen Ländern [...]auf partnerschaftlicher Grundlage fortzuentwickeln [...]. Hierzu sind neue vertragliche Instrument der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zu schaffen, die nicht wie die bisherigen zu Grunde legen, dass die Kooperation automatisch in einer Beitrittsperspektive mündet [...]
EU-Agrarpolitik und Reform [...] Wir treten für eine neue Agrarpolitik in der EU ein, die dem Verbraucherschutz und der Qualität unserer Nahrungsmittel oberste Priorität einräumt und sich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientiert [...]
[...] Der ländliche Raum ist als Arbeits-, Lebens-, Freizeit- und Erholungsstandort zu erhalten und auszubauen. Der Einsatz von Steuermitteln für eine fehlgeleitete Agrarpolitik in der EU ist zu beenden [...] Die Kofinanzierung sollte künftig Grundsatz der GAP sein [...]
[...]dass Aufgaben, die durch die Mitgliedsstaaten entsprechend des Subsidiaritätsprinzips sachgerechter wahrgenommen werden können, auf die nationale Ebene zurückverlagert werden, wenn dies den Binnenmarkt nicht gefährdet. Die gilt besonders für die Kompetenzen der EU in den Bereichen Agrar- und Strukturpolitik, um den Spielraum für eine eigenständige Regional- und Strukturpolitik der Mitgliedsstaaten auszuweiten [...]
EU-Strukturpolitik und Reform  
Gemeinsame Außenpolitik der EU [...]Ein Gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik der EU fördert die europäische Integration und stärkt die Handlungsfähigkeit der EU [...] Sie ist Voraussetzung für eine langfristig tragfähige und gleichberechtigte transatlantische Partnerschaft, für eine engere Zusammenarbeit Europas mit Russland und für ein abgestimmteres Auftreten der EU in internationalen Organisationen wie der OSZE und den VN [...] Die Einbindung Russlands in die europäischen Sicherheitsstrukturen ist Voraussetzung für Stabilität und Sicherheit im euro-atlantischen Raum [...] Die Fortentwicklung der GASP im Sinne von mehr Vergemeinschaftung muss Thema der nächsten Regierungskonferenz sein. [...]
[...] Wir setzen uns dafür ein, dass die Europäische Union mit der GASP ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt, das politische, militärische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Elemente umfasst, die europäische Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungs- und Entwicklungspolitik verzahnt und die Fähigkeit zur Konfliktprävention verstärkt [...]
[...] Künftig wird die EU auch militärisch selbständig im Krisenmanagement handeln können, wenn sich die NATO als Ganzes nicht engagiert.[...]
Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU [...]Wir setzen uns dafür ein, dass die Europäische Union mit der GASP ein umfassendes Sicherheitskonzept entwickelt, das politische, militärische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Elemente umfasst, die europäische Aussen-, Sicherheits- und Verteidigungs- und Entwicklungspolitik verzahnt und die Fähigkeit zur Konfliktprävention verstärkt [...]
[...] Künftig wird die EU auch militärisch selbständig im Krisenmanagement handeln können, wenn sich die NATO als Ganzes nicht engagiert.[...]
[...] Die Einbindung Russlands in die europäischen Sicherheitsstrukturen ist Voraussetzung für Stabilität und Sicherheit im euro-atlantischen Raum. [...]
Einwanderung, Visa, Asyl, Flüchtlinge

[...] dass zum schrittweisen Aufbau eines Raumes der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts in Europa die Voraussetzungen für die Gewährleistung des freien Personenverkehrs, für eine gemeinsame Asyl- und Einwanderungspolitik sowie den Schutz der Rechte von Drittstaatenangehörigen geschaffen werden müssen [...]

Politikfelder allgemein und sonstige EU-Politiken

[Binnenmarkt- und Währungsunion]: [...] verlangen auch eine stärkere Harmonisierung in der Steuerpolitik, insbesondere bei den Unternehmenssteuern, der Besteuerung von Kapitalerträgen, der Besteuerung des Energieeinsatzes und der Ausgestaltung der Mehrwert- und Umsatzsteuer sowie einen einheitlichen Kapitalmarkt [...]Das schliesst auch die Lohnpolitik ein, die im Binnenmarkt und im gemeinsamen Währungsraum nicht mehr nur an nationalen wirtschaftlichen Grössen orientiert werden kann. Deshalb müssen die Tarifvertragsparteien im Euroraum ihren lohnpolitischen Dialog verstärken. [...]noch engere Zusammenarbeit mit unseren Partnern in allen wirtschaftlich relevanten Bereichen weiterentwickeln, Dies gilt von der Forschungs- und Technologiepolitik bis hin zur Bildungs- und Sozialpolitik [...]

[Umweltpolitik]: [...]Umwelt- und Klimaschutz sind zentrale Zukunftsaufgaben, die wir nur noch in enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern in der EU und der Welt bewältigen können [...] Eine konsequente europäische Umweltpolitik stärkt die weltweite Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen und wird so zu einem noch wichtigeren Beschäftigungsfaktor [...] Dazu gehört insbesondere auch eine Harmonisierung der Energiebesteuerung [...]

[Innere Sicherheit]: [...] Eine besondere Herausforderung des europäischen Einigungsprozesses ist für die SPD die Gewährleistung der Inneren Sicherheit. Für uns gilt, dass Sicherheit besser gemeinsam in der erweiterten Union gewährleistet werden kann als im Alleingang. Ziel sozialdemokratischer Europapolitik ist die Erhaltung und Weiterentwicklung der EU als Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts. [...] So ist z.B. die Einführung eines europäischen Haftbefehls ein notwendiges Instrument [...] Die polizeiliche Zusammenarbeit wird mehr Rechtssicherheit ermöglichen [...]
Die SPD setzt sich daher dafür ein, [...] EUROPOL im Sinne einer operativen europäischen Polizei, ausgestattet mit exekutiven Befugnissen nach dem Vorbild des Bundeskriminalamts auszubauen; eine europäische Staatsanwaltschaft einzurichten [...], eine gemeinsame europäische Grenzpolizei zu schaffen [...] justizielle Zusammenarbeit im Strafrechtsbereich auszubauen, [...]für diesen grundrechtsrelevanten Bereich eine umfangreiche parlamentarische Kontrolle durch das Europäische Parlament sicherzustellen [...]

Globalisierung, weltweite Herausforderungen

[...] Durch die beschleunigte Globalisierung der Weltwirtschaft können viele Problemen nur noch gemeinsam international gelöst werden. [...]eine weltweite Stärkung demokratischer Strukturen. Nur so können Krieg, Armutswanderungen und internationaler Terrorismus langfristig und effektiv bekämpft werden. [...] Schon heute stammen über 55% der weltweit bereitgestellten Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit aus der EU und ihren Mitgliedsstaaten [...]
[...] Die von der EU beschlossene Marktöffnung für die 48 ärmsten Entwicklungsländer ist ein erster Schritt [...] aber noch viel zu lange Übergangsfristen bis zur vollständigen Marktöffnung [...] Im Rahmen der WTO müssen Zölle und Handelsbarrieren für weiterverarbeitende Produkte zurückgeführt und gleichzeitig soziale und ökologische Mindeststandards im Welthandel stärker verankert werden. [...]
[...] Entwicklungspolitik ist vorsorgende Friedenspolitik. [...]
[...] Bei der Gestaltung der Globalisierung braucht Europa viele Partner - Regierungen wie zivilgesellschaftliche Akteure -, denn die internationalen Herausforderungen können nur gemeinsam gelöst werden. Die Nichtregierungsorganisationen leisten eine wichtige Arbeit. Ihre Fähigkeiten und Kenntnisse müssen genauso intensiv einbezogen werden, wie das wirtschaftliche und technisch-organisatorische Potential von Unternehmen [...]

 

© Barbara Rummel, letzte Überarbeitung: März 2002. Die Verwendung von Inhalten ist für Ausbildungszwecke und nicht-kommerzielle Zwecke gestattet, vorausgesetzt, die Quelle wird angegeben.