| Rede - kurz und knapp von Karin Happek, M.A. |
Die bereits erwähnten Reformen ließen sich aber nur durchführen, wenn bei den Harmonisierungen zur Vollendung des Binnenmarktes die zu weit gefassten Binnenmarktgeneralklauseln durch klar beschriebene Einzelermächtigungen ersetzt würden. Für Edmund Stoiber macht der Erweiterungsprozess gleichermaßen institutionelle Reformen notwendig, die eine Festschreibung der gemeinschaftlichen Aufgaben und begrenzte Zuständigkeiten innerhalb der EU herbeiführen würden. Die daraus neu gewonnene ordnungspolitische Ausrichtung Europas könne dann die Stabilisierung im globalen Wettbewerb mit sich bringen. Er favoritisiert dabei die intergouvernementale Methode, um die Integrationspolitik der EU mit der geplanten Osterweitung im "Zeitalter der Globalisierung" voranzubringen. Bei der Osterweiterung stellt Edmund Stoiber die Beitrittsfähigkeit und -modalitäten sowie die Erweiterungsfähigkeit in den Vordergrund für das Integrationsprojekt EU. Vor der EVP-Fraktion betont er die uneingeschränkten Bedingungen für die EU-Beitrittskandidaten:
Europa als handlungsfähige Union der Staaten und Regionen mit einem Verfassungsvertrag könnte ein Garant in der Friedens- und Wettbewerbsordnung sein. Jedoch bleibt für Edmund Stoiber der Erweiterungsprozess im nationalen Rahmen eingebunden, wenn er in Berlin ausführt, "Eine volle Vergemeinschaftung wird hier auf absehbare Zeit nicht akzeptiert werden." Inwieweit lassen sich überhaupt die von ihm genannten Aufgabenbereiche der Zuständigkeit des gegenwärtigen institutionellen Europas zuordnen?
Seine Ausführungen zielen auf ein Europa geprägt von Vielfalt, Wettbewerb, Solidarität, Bürgerinteressen, Demokratie und gemeinsamen Werten. Eine Rangordnung der genannten Zielvorstellungen versteht Edmund Stoiber im Kontext von politischer und wirtschaftlicher Einflussnahme, damit die EU stets effektiv handlungsfähig bliebe. Besondere Anstrengungen und Maßnahmen könnten künftig in der Außen- und Sicherheitspolitik der EU notwendig sein. Nach einer Konzentration ihrer außen- und sicherheitspolitischen Kompetenzen und effektiven Handlungsfähigkeit, stünde aus seiner Sicht einem Sitz der EU als ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wohl nichts mehr im Wege. Edmund Stoiber ordnet doch im Eifer des Gefechtes unterschiedliche Politikfelder `Europa´ zu, die teils vergemeinschaftet teils aber intergouvernemental betrieben werden. Deshalb macht die allgemeine Nennung verschiedener Politikfelder eine genaue Prüfung notwendig. Nicht jeder Aufgabenbereich würde sich einer Idee der Vergemeinschaftung unterwerfen. Bemerkenswert ist, dass Edmund Stoiber seine Empfindungen als europäischer Bürger durch ein bewusstes kollektives "WIR" ausdrückt. Obwohl selbst zur Elite gehörend, setzt er diese in Anführungsstriche und fordert, "Europa darf kein Projekt der sog. politischen "Elite" bleiben. Wir müssen die Kluft zwischen dieser sog. "Elite" und der Bevölkerung überwinden. Nur so werden wir die Akzeptanz in der Bevölkerung für die weitere europäische Integration gewinnen." Konsequent bleibt er wohl in seinen Überlegungen, wenn er für eine Volksabstimmung der EU-Bürger [Referendum] über die angestrebten EU-Reformen und neuen EU-Verträge plädiert, die bei der europäischen Regierungskonferenz 2004 erarbeitet und vorgelegt werden sollen.
http://www.csu.de/DieThemen/Positionen_A-Z/Europa/subpage108420.htm
© Karin Happek, M.A., letzte Überarbeitung: November 2004. Die Verwendung von Inhalten ist für Ausbildungszwecke und nicht-kommerzielle Zwecke gestattet, vorausgesetzt, die Quelle wird angegeben. |